Kunden Projektbericht: SWK NETZE GmbH (SWK)

Umsetzung des § 6 und § 66 EEG 2012 sowie der Systemstabilitätsverordnung im Supply Manager

Aufgrund der Anpassungen nach § 6 und § 66 EEG 2012 und der Systemstabilitätsverordnung (SysStabV) sind die Anforderungen an den Supply Manager gestiegen und eine entsprechende Erweiterung wurde umgesetzt. Nun ist sowohl die Dokumentation der Erfüllung nach § 6 und § 66 als auch die Umsetzung des Prozessleitfadens für Verteilnetzbetreiber (VNB) des BDEW inkl. der automatischen Auswahl der Lösungsvariante je nach eingebautem Wechselrichter möglich.


Einleitung

Die SWK NETZE GmbH (SWK) aus Krefeld nutzt seit 2009 den Supply Manager zur Abbildung des kompletten Workflows zur Integration von Eigenerzeugungsanlagen in die Versorgungsnetze. Während dieser Zeit mussten aufgrund von gesetzlichen oder organisatorischen Änderungen immer wieder Anpassungen vorgenommen werden. Derzeit liegen alle Informationen zu den Eigenerzeugungsanlagen immer tagesaktuell im Supply Manager vor, z.B. eingegangene oder verschickte Dokumente und telefonische Absprachen. Darüber hinaus werden alle relevante Daten oder Termine erfasst.

Anforderungen nach § 6 und § 66 EEG

Mit der Anpassung nach § 6 und § 66 des EEG 2012 soll dem Netzbetreiber die Möglichkeit gegeben werden, auf EEG-Anlagen in definierten Grenzen steuernd eingreifen zu können. Alle PV-Anlagen, die ab 1. Januar 2012 in Betrieb gesetzt wurden, müssen bis zum 1. Januar 2013 die technischen Vorgaben nach § 6 EEG 2012 zur Reduzierung der Einspeiseleistung bei Netzüberlastungen oder der Leistungsbegrenzung auf 70 % der installierten Leistung einhalten. Auch Altanlagen müssen nachgerüstet werden (§ 66). Alle aus diesen Verpflichtungen entstehenden Mehrkosten muss der Anlagenbetreiber tragen. Erfüllt er diese Vorgaben nicht, erlischt die Vergütungspflicht des Netzbetreibers (§ 17 Abs.1).

Umsetzung im Supply Manager

Durch das EEG 2012 § 6 Technische Vorgaben und § 66 Übergangsbestimmungen haben sich die Anforderungen an den Supply Manager erhöht. In der Anschlussanfrage - Stromeinspeisung und im Inbetriebsetzungsprotokoll sind neue Felder hinzugekommen. Um diese Einhaltung der Vorgaben im Supply Manager systematisch nachhalten zu können, musste dieser erweitert werden. Die Erfüllung des § 6 muss dokumentiert werden!

Dokumentation der Erfüllung des § 6

Für diese neuen Anforderungen wurde ein neuer Reiter „EEG 2012 § 6 / § 66“ hinzugefügt. Dieser dokumentiert den Ablauf zur Erfüllung des § 6 und § 66, denn wenn PV-Anlagen die Anforderungen nicht erfüllen, existiert gemäß § 6 EEG 2012 kein Vergütungsanspruch und die Einspeisevergütung muss ausgesetzt werden. Die Mitarbeiter haben somit zu jeder Anlage den aktuellen Stand und können über Abfragen den Status für die Anlagen filtern.

50,2-Hz-Problematik

Nach der alten Gerätenorm für Eigenerzeugungsanlagen gab es die Vorgabe, dass sich die Wechselrichter von dezentralen Erzeugungsanlagen beim Erreichen einer Netzfrequenz von 50,2 Hz sofort abschalten. Durch den starken Zubau von PV-Anlagen in den letzten Jahren ist hierdurch mittlerweile die Situation entstanden, dass sich im Extremfall mehrere Gigawatt an Einspeiseleistung nahezu zeitgleich vom Stromnetz trennen, wenn 50,2 Hz erreicht sind. Die schlagartige Abschaltung von mehreren Gigawatt Leistung kann durch die vorhandenen Regelmechanismen der Netze nicht mehr kompensiert werden, was zu einem Kollaps der Netze führen kann. Vor diesem Hintergrund ist seit dem 1. Januar 2012 eine neue Anwendungsregel "VDE-AR-N 4105" für die verbesserte Integration von dezentralen Erzeugungsanlagen ins Niederspannungsstromnetz einzuhalten. Neu in dieser Anwendungsregel ist, dass nun keine feste Frequenz mehr als Abschaltkriterium vorgegeben ist, sondern dass die Wechselrichter ihre Einspeiseleistung in Abhängigkeit der Netzfrequenz nach einer vorgegebenen Kennlinie steuern. Hierdurch kann die Systemstabilität im Falle von Überfrequenz gewährleistet werden.

Systemstabilitätsverordnung (SysStabV)

Um die Systemsicherheit im Stromnetz auf Dauer zu gewährleisten, wurde am 26.07.2012 die Systemstabilitätsverordnung verabschiedet. In dieser Verordnung werden alle Verteilnetzbetreiber (VNB) dazu verpflichtet, dafür zu sorgen, dass auch alte Photovoltaikanlagen, die vor dem 1. Januar 2012 in Betrieb gegangen sind, einen Beitrag zur Systemstabilität leisten. Um diesen Beitrag leisten zu können, wurden durch die verschiedenen Verbände der Netzbetreiber verschiedene Varianten der Umrüstmöglichkeiten für bestehende PV-Anlagen entwickelt:

  • Variante I: Update nach Anwendungsregel VDE-AR-N 4105
  • Variante II: Umparametrieren Update auf BDEW-MS-RL
  • Variante III: Umparametrieren nach stochastischer Verteilung
  • Ausnahme: Keine Umrüstung, wenn Wechselrichter nicht umparametrierbar.

Die Netzbetreiber haben nun die Aufgabe zu ermitteln, welche Wechselrichter in ihrem Versorgungsnetz eingesetzt werden und welche Umrüstungsvariante je Wechselrichter anzuwenden ist. Abschließend haben sie den Prozess der Umrüstung zu organisieren und zu überwachen.

Prozessleitfaden

Der BDEW hat seinen Prozessleitfaden für die VNB zur Abwicklung der SysStabV am 27.11.2012 veröffentlicht. Darin sind folgende Punkte ausgewiesen:

  • Ablauf der Umrüstung
  • Anlagenzusammenfassung
  • Abfragebogen
  • Varianten der Nachrüstung
  • Wechselrichterliste
  • Report gegenüber ÜNB.

Die Koordination und die Dokumentation der zugehörigen Anschreiben werden mit dem Supply Manager als Serienbriefe erstellt. Alle eingehenden Unterlagen werden dabei im Logbuch hinterlegt. Die Übertragungsnetzbetreiber haben eine Liste ausgearbeitet, in der alle Wechselrichter aufgeführt werden und welche Wechselrichter auf welche Varianten umzurüsten sind. Der Supply Manager ist mit dieser Liste so verknüpft, dass nach Eingabe des eingebauten Wechselrichters sofort die richtige Lösungsvariante vorgeschlagen wird. Auf Grundlage der Daten der Rückmeldungen wird die weitere Vorgehensweise, z.B. bei der Ausschreibung der Wechselrichter-Umrüstungen, vorgenommen. Alle notwendigen Informationen für den Datenreport an den Übertragungsnetzbetreiber (ÜNB) sind mit der Erweiterung im Supply Manager vorhanden. Der quartalsmäßige Report kann über den Excel-Export in einfacher Weise durchgeführt werden.

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