Kunden Projektbericht: Stadtwerke Soest

ETRS89-Umstellung in Soest - Von Preußen nach Europa

Die Stadtwerke Soest haben mit Hilfe der ITS die Umstellung ihrer Geometriedaten des Smallworld GIS vom Koordinatensystem der preußischen Landesvermessung zum europäischen ETRS89-System durchgeführt. Die Umstellung auf ETRS89 enthielt im Detail sogar zwei Koordinatensystemwechsel, d.h. von PreuLA über Netz 77 nach ETRS89, und konnte innerhalb eines Wochenendes erfolgreich realisiert werden.

Bild von links:
Thomas Schäfer, Stephan Noll (ITS)

Einleitung

Bei der Betrachtung der verschiedenen TRAFO89-Projekte stellt man fest, dass fast jedes Projekt seine Eigenarten mitbringt. Einerseits werden auf diese Weise die Beteiligten bei jedem Projekt neu herausgefordert, andererseits gewinnen sie auch jedesmal an Erfahrung. Nicht nur die handelnden Personen, sondern auch die Software wächst mit ihren Aufgaben. So ergab es sich auch bei den Stadtwerken Soest, dass sowohl das Kompetenzzentrum Geodäsie der ITS als auch das Produkt TRAFO89 im Rahmen dieses Projektes wertvolle Updates erfahren durften. Vor der Produktivumsetzung wurde zunächst ein Vorprojekt durchgeführt, um alle technischen Details sowie die zu erwartenden Laufzeiten zu ermitteln.

Ergebnisse des Vorprojektes

Zunächst sah alles nach einer Standardaufgabe aus: Vom Katasteramt standen Stützpunkte zum Download zur Verfügung, die Umrechnungssoftware TRABBI 2D war installiert und TRAFO89 war bereit, die Betriebsmittel und das ganze GIS-System der Stadtwerke Soest in Richtung ETRS89 zu befördern. Innerhalb kurzer Zeit gab es auch Ergebnisse, die zur frisch in ETRS89 eingelesenen ALK passten – zumindest wenn man den Maßstab klein genug hielt: Bei näherer Betrachtung hielt sich die Begeisterung in Grenzen, denn fast überall passten die Betriebsmittel zwar ungefähr zu den neuen Gebäuden, aber eben nur ungefähr. Abweichungen im Dezimeterbereich trübten die neue Zweisamkeit zwischen Betriebsmitteln und neuer ALK.

Warum ergaben sich Abweichungen?

Nach einigen Recherchen war der Grund ausfindig gemacht: Die Stützpunkte des Katasteramtes lagen im Netz 77 vor, das Kataster der Stadtwerke Soest bezog sich aber noch auf das Preußische Landesvermessungssystem! Kein Problem, so dachte man zunächst, schnell die Punkte vom Katasteramt neu besorgt und das Problem wäre gelöst. Leider ergab die Rücksprache mit dem Katasteramt, dass es wohl möglich sei, Stützpunkte in PreuLa und Netz 77 zu liefern; auch gab es identische Punkte in Netz 77 und ETRS89, aber identische Punkte in PreuLa und ETRS89 wären nicht vorhanden. Immerhin gab es eine Liste von Umbenennungen der Punkte, die man im Rahmen der Umstellung nach ETRS89 teilweise hatte vornehmen müssen.

Änderung des Verfahrens

So wurde eine neue Stützpunktdatei mittels der Umnummerierungsliste der Katasterbehörde und der alten und neuen ALK ermittelt. Eine beachtliche Liste von ca. 280.000 Punkten kam auf diese Weise zusammen. Vorteil dieser relativ großen Liste war, dass hier sämtliche Gebäudepunkte enthalten waren. So war sichergestellt, dass alle Bemaßungen, die auf Gebäudeecken endeten, auch nach der Umstellung wieder auf den Gebäudeecken landeten.

Laufzeitverhalten

Es zeigte sich, dass TRABBI 2D mit derart großen Stützpunktmengen erheblich längere Laufzeiten aufwies, so dass es entgegen der ursprünglich geplanten Vorgehensweise nun doch eine Parallelisierung des Vorgangs bei der ITS brauchte, um dem ehrgeizigen Projekt, die gesamten Daten der Stadtwerke Soest an einem einzigen Wochenende auf ETRS89 zu bringen, noch eine realistische Chance zu geben.

Paralleler Umrechnungsprozess

Die Rücksprache mit der Bezirksregierung Köln bestätigte, dass die Laufzeit des Transformationsprogrammes TRABBI 2D mit der Anzahl der Stützpunkte weit mehr als linear ansteigt, so dass Bedienfehler seitens der ITS ausgeschlossen werden konnten. Um dennoch eine zeitnahe Umrechnung zu erhalten, wurde der Rechenvorgang auf mehrere Prozesse verteilt, so dass der gesamte Umrechnungsprozess an einem Tag bewältigt werden konnte.

Ergebnisse

Die Screenshots zeigen, dass die Ausgleichungsergebnisse nicht genau genug waren, wenn als Stützpunkte ausschließlich Aufnahmepunkte verwendet wurden: Die Bemaßungen enden nicht genau auf den Gebäudeecken. In manchen Gebieten kann die Abweichung durchaus im dm-Bereich liegen. Somit war klar: Man musste alle beteiligten Gebäudeeckpunkte in die Ausgleichung einfließen lassen, um keinen Qualitätsverlust zu erleiden.

Fazit

Zusammenfassend kann man also durchaus von einem holprigen Weg Richtung ETRS89 sprechen: Da war zunächst die Grundkarte im Preußischen Landesvermessungssystem, dann die Erkenntnis, dass ein exaktes Ergebnis nur unter Verwendung aller Gebäudeeckpunkte zustande kommen konnte und schließlich die exponentiell anwachsende Laufzeit der Umrechnung mit TRABBI 2D aufgrund der hohen Anzahl der Stützpunkte. Glücklicherweise verfügt die ITS über langjährige Erfahrung im Bereich Koordinatenumstellung, so dass all diese Herausforderungen innerhalb kurzer Zeit bewältigt wurden. Am Ende wurden die gewünschten Ergebnisse erzielt, und die Stadtwerke Soest sind nun doch innerhalb eines Wochenendes von Preußen nach Europa gewandert – ein wahrhafter Dimensionssprung.

Ausblick

Nachdem nun die Daten des Smallworld GIS vollständig umgesetzt wurden, ist im nächsten Schritt auch die Umstellung der Sekundärdaten im Location Viewer geplant. Dabei wollen die Stadtwerke Soest auch den Umstieg auf das Lovion BIS, als Nachfolger des Location Viewer, mit dem zugehörigen Lovion GEO CONNECT als Nachfolger des Location Managers zeitnah einführen.

Bildmaterial

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